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La Gomera – Kanarische Insel für Individualisten

La Gomera – Kanarische Insel für Individualisten

Kanaren-Urlaub abseits Touristenmassen – gibt es nicht? Doch. Wer gerne wandert und auch sonst eher Ruhe als das große Partygeschehen sucht, sollte La Gomera für seinen nächsten Urlaub ins Auge fassen.

Mehr als 600 Kilometer Wanderwege, ganzjährig mildes Klima und eine atemberaubenden Landschaft: Das macht die kleine Kanareninsel La Gomera zum perfekten Ziel für alle Naturliebhaber. Nachstehend nun meine fünf Tipps, was ihr bei eurem Aufenthalt auf der ehemaligen „Aussteiger-Insel“ auf keinen Fall verpassen solltet.

Valle Gran Rey – Im Tal des Königs und der Hippies
Valle Gran Rey, das „Tal des großen Königs“, zählt dank seiner schwarzen Sandstrände zu den beliebtesten Regionen auf La Gomera. Das „Valle“ liegt im Südwesten der Insel und ist über eine eindrucksvolle Höhenstraße erreichbar, die sich kurvenreich zu den kleinen Orten am Meer hinunterschlängelt. Das Tal galt einst als Kultstätte für Aussteiger und auch heute noch ist ein Hauch des Hippietums zu spüren. Trotz der zunehmenden Beliebtheit gibt es im Valle Gran Rey keine Bettenburgen, sondern überschaubar große Hotels mit Charme – wie das Hotel Gran Rey, direkt an der Playa de Valle Gran Rey. Über die Promenade spaziert oder radelt man in wenigen Minuten zum kleinen Hafen Vueltas. Direkt am Hafen befindet sich der Stand von Tina Excursiones, einem Anbieter für nachhaltige Delfin- und Walbeobachtungen, den ich sehr empfehlen kann. Bei unserer dreistündigen Ausfahrt begleiteten uns zahlreiche Grindwale und Delfine. Auch wenn es keine Sichtungsgarantie gibt: Die Chancen auf eine Begegnung mit Delfinen, Walen und Schildkröten ist groß. Aber auch ohne Meerestierkontakt ist der von der Crew kredenzte Sangria den Ausflug auf jeden Fall wert.

Wandern im und um den Nationalpark Garajonay
Mit über 600 Kilometern ausgewiesenen Wegen und seiner abwechslungsreichen Landschaft, ist La Gomera ein Paradies für jeden Wanderer. Über steile, felsige Anstiege, tiefe Schluchten und dichtbewachsene Wälder kommt man Fauna und Flora der Insel besonders nah. Noch näher und vor allem informativer wird es mit einem Guide. Hier kann ich euch Josef von Timah Travel ans Herz legen. Der gebürtige Tiroler organisiert seit mehr als 20 Jahren Wander- und Trekkingtouren auf La Gomera. Er kennt die Insel mit ihren zahlreichen endemischen Pflanzen wie seine Westentasche. Besonders beeindruckend und ein bisschen mystisch ist die Wanderung durch den dicht bewachsenen Lorbeerwald im Nationalpark Garajonay. Der immergrüne Wald ist ein lebendes Fossil und zählt zu den ältesten Urwäldern Europas. Seine üppige Vegetation mit Moosen und Flechten verdankt er den Passatwolken, die ihn ständig feucht halten und mitunter für dichten Nebel sorgen. Nicht umsonst wird er auch Nebel- oder Märchenwald genannt. Seit 1986 steht der Nationalpark Garajonay mit dem gleichnamigen höchsten Berg der Insel als Weltnaturerbe unter dem Schutz der UNESCO.

Hermigua – Im Tal der Bananen
Das weite Tal von Hermigua grenzt nördlich an den Nationalpark Garajonay. Hermigua gilt als Bananenhauptstadt der Insel: Das ganze Tal ist mit Terrassenfeldern bedeckt, auf denen Platanes – kanarische Bananen – angebaut werden. Für Abwechslung im Bananendschungel sorgen die zahlreichen Dattelpalmen dazwischen. An der breiten Bucht, am Ende des Tals scheint es, als würden die Bananenstauden direkt ins Meer wachsen. Eingerahmt zwischen den hohen Felsflanken und mit den weißen, an die Bergrücken gedrängten Häusern, hat diese Gegend einen ganz besonderen Eindruck bei mir hinterlassen. Am östlichen Ende der Bucht wartet Hermigua mit einem spektakulären Naturschwimmbecken auf. Das Becken wurde in das Fundament des ehemaligen Verladekrans der einstigen Bananenverladestation Hermiguas eingelassen. Mächtige Betonpfeiler erinnern heute noch an die goldenen Zeiten des Bananenexports und die starke Strömung, die das direkte Anlegen der Schiffe verhindert hatte. Der hohe Wellengang gestaltet auch das Baden im „Piscina Natural“ recht abenteuerlich und fordert ein gewisses Maß an Aufmerksamkeit.

Agulo – Bilderbuchdorf über dem Atlantik
Der kleine Ort Agulo liegt westlich von Hermigua im Norden von La Gomera und besticht durch seine besondere Lage. Wie auf einem sonnigen Balkon sitzt das beschauliche Dörfchen direkt über dem Atlantik und versprüht mit seinen bunten Häuschen, dem historischen Ortskern und engen, kopfsteingepflasterten Gassen, einen ganz besonderen Charme. Nicht umsonst gilt Agulo als Perle von La Gomera und für viele als schönster Ort der Insel. Eine Meinung, die ich durchaus nachvollziehen kann – auch ohne alle Orte von La Gomera gesehen zu haben. Agulo und seine Umgebung entdeckt man am besten zu Fuß und mit ein bisschen Neugier im Gepäck. Der Ort ist von zahlreichen Pfaden und markierten Wanderwegen umgeben und lässt einem die Wahl zwischen Wanderungen durch fruchtbare Terrassenfelder und schroffe rotfarbene Steilwände. Zur letzteren Kategorie zählt der steile Weg hinauf zu einem der Paradeaussichtspunkte von La Gomera: dem Mirador de Abrante. Über eine Serpentinenstraße ist dieser natürlich auch mit dem Auto erreichbar.

Mirador de Abrante – Aussicht mit Pfiff
Das Highlight des Aussichtspunkts Mirador de Abrante ist ohne Zweifel die sieben Meter lange, komplett verglaste Aussichtsplattform, die freitragend über eine Steilwand hinausragt. Direkt darunter liegt Agulo. An klaren Tagen schweift der Blick über den Atlantik bis nach Teneriffa und dem Berg Teide, dessen Gipfel zuweilen direkt aus dem Himmel zu wachsen scheint. Zum Mirador de Abrante gehört auch ein modernes Cafe-Restaurant mit Panoramaterrasse. Dort isst man nicht nur inseltypische Speisen wie Miel de Palma, sondern bekommt auch einen Eindruck von „El Silbo“, der einzigartigen Pfeifsprache von La Gomera. Wer sich im Mirador de Abrante plötzlich von zwitschernden Kanarienvögeln umgeben meint, ist in Wahrheit Teil einer Vorstellung dieser uralten Sprachform. Sie zählt zum UNESCO-Kulturgut und wird seit 1999 an den Schulen von La Gomera wieder als Pflichtfach unterrichtet. Gepfiffen wird mit dem Zeige- und Mittelfinger der einen Hand, während die andere Hand als Schalltrichter fungiert. Auf diese Weise entstehen bis zu 4000 Wörter und Töne, die es hinsichtlich der Lautstärke auch mit einer Kreissäge aufnehmen können – ideal für die zerklüftete Gebirgsregion der kleinen Kanareninsel.

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