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In Memoriam: Hannes Arch

In Memoriam: Hannes Arch

Auf Einladung von Red Bull durfte ich mich 2013 dem ultimativen Adrenalin-Kick unterziehen – Passagier bei Air Racer Hannes Arch. Jenem Profi-Piloten, der bei einem Hubschrauberabsturz am 8. September 2016 viel zu früh aus dem Leben schied. Dieser Artikel ist dem sympathischen Steirer gewidmet.

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Copyright: Red Bull

Was würdest du zu einer wilden Achterbahnfahrt in etwa 2.000 Metern Höhe sagen? Ich leide zwar unter Höhenangst, konnte dieses einmalige Angebot aber nicht ausschlagen. Passagier bei Hannes Arch, einem der weltbesten Kunstflug-Piloten – klingt doch cool. Erst als es ernst wurde und ich den Fallschirm übergestreift bekam, merkte ich, wie meine Hände feucht und mein Atem schwer wurden. Mit einem aufgesetzten Lächeln stieg ich scheinbar verwegen in das Cockpit und lauschte den Anweisungen des damals 46-jährigen Piloten. Arch dürfte bemerkt haben, dass ich angespannt war und versuchte mich mit ein paar lockeren Sprüchen zu beruhigen. Angesichts der Kotzbeutel zu meiner Linken konnte ich dem Air Racer jedoch nicht ganz glauben.

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Copyright: Red Bull

Airborne

Dann startete Arch schließlich die 300 PS starke Maschine vom Typ Extra EA-300L. Es wackelte im Cockpit und trotz Helm und Headset dröhnte das Motorengeräusch heftig in den Ohren. Kurze Zeit später hoben wir ab. Die Aussicht war herrlich – bis plötzlich aus oben unten wurde. Über die Kopfhörer ertönte ein „Alles OK?“ und der Zweisitzer drehte sich wieder in eine normale Flugposition. „Ja, geht so“, lautete meine knappe Antwort. Darauf dürfte Arch gewartet haben. Schon setzte der steirische Sunnyboy zum Looping an. Dreiviertel des Manövers waren auch kein Problem, doch dann fingen die Kräfte zu wirken an: der Magen krümmte sich, der Mund wurde trocken und der Schweißausstoß nahm rapide zu. Abermals war Arch über Funk zu hören und am Klang seiner Stimme vermutete ich, dass zumindest einer im Cockpit Spaß hatte. Es folgten eine schnelle Rolle und ein noch schnellerer Sturzflug. Bei 350 km/h spürte ich am eigenen Leib, was eine sechsfache Erdanziehungskraft im Körper verursachte. Es fühlte sich an, als würde man von einer Straßenwalze überrollt. Für den Kunstflug-Laien kein allzu prickelndes Feeling. Das Angebot zu einem weiteren Flugmanöver lehnte ich daher dankend ab.

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Copyright: Red Bull

Sicherer Boden unter den Füßen

Der Landeanflug erfolgte in einer leichten Schrägstellung. „Damit ich etwas sehen kann“, beruhigte Arch den immer stiller gewordenen Autor dieser Zeilen. Nach einer sanften Landung stand die EA-300L schließlich wieder vor dem Hangar 8. Für den Passagier, der hiermit festhalten möchte, dass die Kotzbeutel leer geblieben sind, eine Erleichterung. Die ersten Schritte fielen mir noch etwas schwer und es dauerte auch mehrere Minuten, ehe sämtliche Körperfunktionen wieder hochgefahren waren. Wasser trinken half, hinsetzen ebenso. Trotz dieser Nebenerscheinung machte sich ein Glücksgefühl breit und ein Lächeln huschte über meine Lippen, dieses Mal jedoch eines von Herzen.

Danke Hannes, dass du mir dieses einmalige Erlebnis möglich gemacht hast: Ich werde es genauso toll in Erinnerung behalten, wie dich.

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